Religiöses Leben am EVG Meiningen

Anders als an den staatlichen Schulen haben alle Schülerinnen und Schüler am EVG evangelischen Religionsunterricht von Klasse 5 bis 12. Auch von Kindern aus konfessionell nicht gebundenen Elternhäusern (ca. 45% unserer Schülerschaft) erwarten wir, dass sie sich mit religiösen Fragen auseinandersetzen und sich auf die christliche Theologie denkerisch einlassen, wie immer sie sich auch später selbst positionieren. Es geht einfach auch darum, das Wissen über die christliche Religion und ihre kulturprägende Wirkung in einer über 40 Jahre aufgrund der politischen Verhältnisse atheistisch dominierten Region wieder zu beleben. Auch ein in Atheist oder ein Agnostiker sollten das Bildprogramm und den Aufbau einer Kirche verstehen, die christliche Motive in Musik, Kunst und Literatur erkennen und deuten können.

Freilich kann ein evangelisches Gymnasium dabei nicht stehen bleiben. Wir haben nach unserem Selbstverständnis die Aufgabe, Kinder aus christlichen Elternhäusern in ihrem Glauben zu stärken und solchen, die sich auf den Weg des Glaubens machen möchten, diesen Weg sichtbar und fühlbar zu machen.

Nicht zuletzt für uns als Kollegium ist die Vergewisserung im Glauben wichtig, die Schule begreift sich als Schulgemeinde.

Nach intensiver Diskussion haben wir daher im Konsens von Kollegium und Kuratorium bestimmte Formen der Andacht und des Gottesdienstes festgelegt, die dauerhaft zu unserem schulischen Leben gehören sollen.

Die Besinnung am Montag

Die Klassenleiterstunde am Montag Morgen beginnt mit einer Besinnung von zehn bis fünfzehn Minuten, in der sich die Schüler im Klassenverband gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer mit religiösen Gedanken auf die kommende Woche einstellen. Das Kollegium hat sich für diese Andachtsform in einer Fortbildung mit Frau Leewe vom PTI Neudietendorf zu Beginn des Schuljahres 2014/15 vorbereitet. Zweifelnde haben die Gewissheit mitgenommen, so etwas zu „können“. Die Formen und Inhalte hierzu sind vielfältig. Oft sind sie nach einigen Vorübungen in die Verantwortung der Schüler gelegt. Sie reichen von Gedanken zur Tageslosung oder anderen Bibelstellen über freie philosophisch-theologische Überlegungen, Vortrag kleiner Geschichten, Lied und Musik bis hin zum Gebet. Wichtig ist, das Wiedersehen nach dem Wochenende und die Einstimmung auf die Woche mit dem Gedanken an Gott zu und ggf. einem Nachdenken über die eigene Gemeinschaft und das Handeln in ihr zu verbinden.

Die Monatsandacht

An dieser Andacht in der Turnhalle nehmen alle Schüler und Lehrer der Schule teil. Sie wird immer von einer Klasse unter Anleitung der Religionslehrer und Unterstützung der Klassenlehrer vorbereitet. Unsere Religionslehrerin Frau Brandt hat im ersten Jahr ihres Wirkens bei uns einen feste Ablaufform und eine gewisse Liturgie für diese Andachtsform entwickelt. Die Schüler überlegen sich ein Thema, das sie in einen biblischen Bezug stellen. Oft wird es mit einem Anspiel oder einer kleinen Geschichte illustriert. Lieder werden bestimmt, ein Segen wird ausgesucht, Fürbitten werden formuliert. Eine Minute des stillen Nachdenkens und das Vater Unser sind fester Bestandteil. Auf diese Weise machen sich die Schüler selbst Gedanken über die Liturgie und werden auf altersgemäßer Ebene religiös sprachfähig. Sie lernen ferner, Gottes Wort auf eigenes Erfahren und Tun zu beziehen. Gewiss ist unsere Turnhalle kein idealer Ort für diese Andachten, aber der beste, den wir bis zum Bau einer Aula haben. Sicher müssen wir perspektivisch auch über eine Teilung dieser Andacht nachdenken, da durch den Aufwuchs der Schule die Altersspanne der Schüler zunimmt und Oberstufenschüler nun einmal eine andere „Ansprache“ brauchen und eine andere Sprache verwenden wie Fünft- und Sechstklässler.

Die großen Gottesdienste in der Stadtkirche

Jedes Schuljahr feiern wir fünf große Gottesdienste mit allen Schülern und Eltern sowie anderen Mitgliedern der Kirchgemeinde in der Meininger Stadtkirche. Es hat sich die Tradition herausgebildet, das dies der Einschulungsgottesdienst zum Schuljahresbeginn, ein Erntedankgottesdienst, ein Adventsgottesdienst vor Weihnachten, ein Passionsgottesdienst vor der Osterwoche und der Schuljahresabschlussgottesdienst ist. Diese Gottesdienste werden gemeinsam mit der Kirchgemeinde Meinigen gefeiert und in enger Abstimmung mit ihr und dem Kirchenkreis vorbereitet. Auch er wird von einer Klasse mitgestaltet, die Predigt hält eine Pfarrerin oder ein Pfarrer des Kirchenkreises. An der Vorbereitung wirken Frau Brandt, unser Schulseelsorger Herr Wendel sowie Schulleitung und Elternvertreter mit. Es ist eine Gottesdienstfeier der gesamten Schulgemeinde. Es ist primär ein Gottesdienst für Schüler, aber auch die Kollegen, die Eltern und die Mitglieder der Kirchgemeinde sollen sich angesprochen fühlen und werden angesprochen.

Besonders schön ist es, wenn Ideen aus der Schule und von Schülerinnen und Schülern sich mit den Ideen des Predigers in den Vorbesprechungen gegenseitig befruchten und dann zu einem liturgischen Ganzen zusammenfügen.

W.Pfeiffer
Schulleiter

 

Aktuelle Seite: Startseite Religiöses Schulleben